Die CES in Las Vegas war einmal mehr das Zentrum für Technologieexperten aus aller Welt, die sich dort über die aktuellen Trends und Entwicklungen zur Digitalisierung austauschten. Mehr als 148.000 Besucher pilgerten in die Glücksspielmetropole, um sich die Lösungen und Produkte der rund 4.100 Aussteller anzuschauen. Damit ist die Messe die weltweite Leitveranstaltung zum Thema Digitalisierung. Und das Spektrum beschränkt sich schon längst nicht mehr nur auf Unterhaltungselektronik und technische Gimmicks. Vielmehr stehen Industrieprozesse und Produktionsoptimierung im Vordergrund.

Die digitale und die reale Welt wachsen zusammen

Eine Kernaussage in den Keynotes von Siemens, Bosch und Hyundai war die Strategie die digitale mit der realen Welt verbinden. Die Technologie soll dem Menschen im privaten und beruflichen Umfeld helfen und es möglichst angenehmer machen. In diesem Kontext steht auch das zweite Kernthema der Messe: „Physical AI“. Also künstliche Intelligenz in der Maschine, die mit ihrer Umgebung interagiert und sich weiterentwickelt, um uns das Leben und die Arbeit schöner zu machen. Dabei ging es aber nicht abstrakte Ideenkonzepte, sondern um reale Anwendungen. Also um die praktische Einbindung in bestehende Systeme und Prozesse, sei es durch KI-Agenten, KI gestützte Analytik oder selbst lernende Maschinen.

Geschäftsmodelle basieren auf Partnerschaften

Die Umsetzung funktioniert aber nicht ohne tiefgreifende Partnerschaften, weil die Modelle viel zu komplex sind. Es gab also reichhaltige Kooperationsbekanntgaben: Bosch mit Microsoft, Siemens mit Nvida, Hyundai mit Google um nur einige zu nennen. Interessanter waren aber die Partnernetzwerke, mit welchen die großen Player ihren Kunden maßgeschneiderte Lösungen anbieten wollen. Jeder Partner bringt sein Know-How ein und dann wird die passende Kundenlösung daraus gebaut. Ein spannendes Geschäftsmodell, das sich auch für das moderne Anlagenmanagement durchsetzen wird. Siemens hat dazu die Xcelerator Plattform gegründet, die wie ein Werkzeugkasten zur digitalen Transformation funktioniert. Nvida präsentierte seine Lösungspartner wie Franka Robotics aus München gleich in einer eigenen Sonderschau und wird gemeinsam mit Siemens ein eigenes KI-Betriebssystem entwickeln.

Der neue Kollege an der Maschine – ein humanoider Roboter

Ein weiterer Trend waren humanoide Roboter. Die Hyundai Tochter Boston Dynamics stellte Atlas der Weltöffentlichkeit vor. Auch das nicht als Prototyp, sondern als funktionierende Lösung, die bis 2028 in einer jährlichen Stückzahl von 30.000 Exemplaren produziert werden soll. Zuerst kommt er in den Autofabriken von Hyundai zu Einsatz und soll in für Menschen unwirtlichen Umgebungen arbeiten und die unangenehmen Aufgaben übernehmen.

Der deutsche Roboterpionier NEURA präsentierte den „Quadruped“ Roboter. Ein vierbeiniger Erkundungsroboter für anspruchsvolles Terrain und komplexe Umgebungen. Das Modell wurde für multimodale kognitive Interaktion und vollständig autonomen Betrieb entwickelt. Mit weniger als einem Meter Höhe und einer Nutzlast von 22 kg bietet der Vierbeiner robuste Leistung für Industrie-, Service- und Erkundungsmissionen.

Optimale Prozesse mit durchgängigem Datenfluss

Die Verknüpfung der Systeme und Daten spielen eine entscheidende Rolle bei der digitalen Transformation der Produktionsprozesse. Bosch Manufacturing Solutions zeigte spannende Lösungsansätze, wie die moderne Fabrik mit Software, Daten und KI konstruiert, konfiguriert und optimiert werden kann. Das Angebot dazu ist modular aufgestellt und eignet sich deshalb auch für kleinere, mittelständische Unternehmen, die die KI-getriebene digitale Transformation nicht verschlafen dürfen. Bosch sieht sich in diesem Zusammenhang immer als Partner des Kunden, der den Prozess beratend begleitet und nicht nur eine Lösung verkauft.

Weitere Leckerbissen aus Las Vegas

Mit der US-Premiere von IX BACK VOLTON auf der CES 2026 zeigt SUITX by Ottobock, wie intelligente tragbare Robotik über Prototypen und Pilotprojekte hinaus zu skalierbaren, praxistauglichen Lösungen entwickelt werden kann. Das Herzstück von IX BACK VOLTON ist Adaptive Intelligence, eine proprietäre Bewegungstechnologie, die Körperbewegungen bis zu 1.000 Mal pro Sekunde erfasst und die Unterstützung dynamisch in Echtzeit anpasst. Die Unterstützung wird genau dann aktiviert, wenn sie benötigt wird, und reduziert sich, wenn sie nicht erforderlich ist.

Golana Computing aus Frankreich präsentierte eine Technologie, die die industrielle Instandhaltung und Prozessoptimierung durch Rohsignalanalyse und erklärende KI revolutioniert. Basierend auf einer patentierten, bioinspirierten magnetischen Neuronentechnologie erfasst die Lösung hochfrequente Maschinensignale direkt, um selbst kleinste Anomalien frühzeitig zu erkennen, Prozesse zu stabilisieren und ungeplante Ausfallzeiten zu reduzieren. Durch die Verknüpfung von KI mit der realen Welt industrieller Anlagen werden komplexe Maschinendaten in klare, umsetzbare Entscheidungen für jedes Team im Werk umgewandelt.

Der Akustikexperte Müller-BBM präsentierte mit acoust IQ eine innovative Lösung, die hochwertige akustische Messungen einfacher, präziser und effizienter macht. Durch die Kombination aus Klasse-1-Mikrofon, Cloud-Integration, iOS-App und Webanwendung können Ingenieur*innen präzise Messungen und umfassende Analysen bequem aus der Ferne steuern, während vor Ort nur grundlegendes technisches Verständnis erforderlich ist, um das Equipment zu bedienen.

Wie man das lästige Arbeiten mit papierbasierenden Formularen, Berichten und Listen einfacher gestalten kann, zeigte das StartUp Cosito. Cosito nutzt KI-gestützte Mikrofone und Sensoren, um Qualitätskontrollen, Bestandsaktualisierungen, Wartungsarbeiten und vieles mehr automatisch aufzuzeichnen und die Daten in Echtzeit direkt in Dokumente, Excel-Tabellen oder Geschäftssysteme zu übertragen.

SINFOSY präsentierte gemeinsam mit Mobile Vision Technology eine Live-Demonstration zur präzisen Objekterkennung und digitalen Abbildung physischer Prozesse. Gezeigt wurde, wie reale Objekte wie Gabelstapler, Paletten und manuell bewegte Marker mithilfe von Smartphone-basierter Computer-Vision in Echtzeit erfasst und als digitaler Zwilling in 3D visualisiert werden. Die Lösung SINTRA AIPick ermöglicht dabei eine hochpräzise, kosteneffiziente Lokalisierung ohne zusätzliche Infrastruktur.

Auf der CES war eindrucksvoll zu sehen, wie sich die digitale mit der realen Welt verbindet. Und das war aufregend, weil dabei das volle Potential der digitalen Transformation für die Industrie der Zukunft gezeigt wurde. Einiges davon wird auch auf der Smart Maintenance Lounge auf der LogiMAT zu sehen sein.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Anmelden

Registrieren

Passwort zurücksetzen

Bitte gib deinen Benutzernamen oder deine E-Mail-Adresse an. Du erhältst anschließend einen Link zur Erstellung eines neuen Passworts per E-Mail.